Die Pilger unter den Musikfreunden

Main Post vom 27. März 2018:

Mit „You raise me up“ überzeugte die erst 14-jährige Julia Kirsch ausdrucksstark am Saxophon und füllte zusammen mit den übrigen Bläsern klanggewaltig den Raum. Überhaupt waren viele junge Musikerinnen und Musiker auf der Bühne zu sehen und hören.

Palmsonntag und Frühjahrskonzert: Seit mittlerweile 17 Jahren findet diese Kombination abwechselnd in den Gemeinden Burglauer und Niederlauer großen Anklang. Die Lauertaler Musikanten und die Niederläurer Blasmusik, die seit Jahresbeginn mit dem Musikverein Strahlungen eine musikalische Spielgemeinschaft bilden, luden zu ihrem alljährlichen Gemeinschaftskonzert ein.
Herrliches Frühlingswetter hielt etwa 250 Besucher nicht davon ab, in die Rudi-Erhard-Halle zu pilgern und den dort dargebotenen Bläserklängen zu lauschen, die in wochenlanger Probenarbeit einstudiert worden waren. Darunter die Rheuma-Liga aus Bad Königshofen als treue Fans der ersten Stunde.
Unter Leitung von Birgit Döhler eröffneten die Jungen Wilden, ein Gemeinschaftsprojekt aus jungen Nachwuchsmusikern der umliegenden Gemeinden, das Konzert. Einfallsreich und unter eigener Moderation, zeigten sie ihr bisher erlerntes Können am Instrument. So manche Großeltern staunten nicht schlecht über die musikalischen Künste ihrer Enkelkinder.
Zackig und beschwingt
Anschließend eröffneten die Lauertaler Musikanten mit „Wo die Musik erklingt“ nach den Originalnoten der Egerländer Musikanten zackig und beschwingt den zweiten Teil des Konzertes. Dirigent Hubert Ziegler hatte zusammen mit den 28 Musikern in zahlreichen Proben und einem Probenwochenende eigens sechs neue Stücke einstudiert, um den Zuhörern ein breites Repertoire von Marsch, Polka über Walzer hin zu Schlager und Ballade zu bieten.

Diesmal hatte es der Komponist Alexander Pfluger dem Dirigenten angetan. Gleich drei Stücke von ihm gaben die Lauertaler Musikanten zum Besten. So den darauf folgenden melodischen Walzer „Träumereien im Egerland“, den das Tenorhornregister samtweich eröffnete. Zwischen den Stücken wirkte Alexandra Ziegler wie gewohnt charmant und souverän als Conférenciere und erzählte den Zuhörern von „Meine Leidenschaft“, die jeden echten Musiker beim Spielen packt – ebenfalls ein Titel aus der Feder von Alexander Pfluger.
Ballade
Von der böhmischen Blasmusik schwang man nun im Repertoire zu einer Ballade über. Mit „You raise me up“ überzeugte die erst 14-jährige Julia Kirsch ausdrucksstark am Saxophon und füllte zusammen mit den übrigen Bläsern klanggewaltig den Raum. Überhaupt waren viele junge Musikerinnen und Musiker auf der Bühne zu sehen und hören, wenngleich auch rund 60 Jahre Bühnenerfahrung zugegen waren – vom zehnjährigen Hannes Ziegler bis hin zum Ehrenvorsitzenden Wolfgang Bötsch mit 69 Jahren. Connie Francis – eine der damals erfolgreichsten Sängerinnen ihrer Zeit – ließ die Lauertaler Musikanten in einem Medley noch einmal all ihre großen Hits nachspielen, und so manche Senioren im Saal fühlten sich bei den Schlagern „Paradiso“, „Barcarole in der Nacht“ oder „Schöner fremder Mann“ an ihre Jugend erinnert.
Bevor Alexandra Ziegler die Zuhörer zum Abschluss des zweiten Konzertteils mit auf große Seefahrt nahm, bedankte sich Vorsitzender Michael Mangold mit jeweils einem Präsent bei ihr und ihrem Mann, dem Dirigenten Hubert Ziegler, für die jahrelange Moderation und musikalische Leitung des nunmehr 17. Gemeinschaftskonzertes.
„Abel Tasman“ – einem großen Seefahrer aus vergangen Zeiten gewidmet – lautete der abschließende Konzertmarsch, dessen Fanfaren und melodische Wellen das anwesende Publikum mit großem Applaus honorierte.

Nach einer kurzen Umbaupause zeigte die Niederläurer Blasmusik, die sich zusammen mit dem Musikverein Strahlungen zu einer Spielgemeinschaft verstärkt hat, unter Leitung von Birgit Döhler im dritten Konzertteil ein überaus breites und und gekonntes musikalisches Spektrum. Charmant und gekonnt moderiert wurde der „SG-Part“ von Melissa Beck. Mit „Towards a new horizon“ („Auf zu neuen Horizonten“) hatte Döhler zu Beginn ein Konzertwerk von Steven Reineke gewählt, das sinnbildlich für den gemeinsamen, bisher erfolgreichen Weg beider Kapellen zu neuen Horizonten stehen soll. Die Interpretation des facettenreichen Stücks, das den amerikanischen Gründergeist aufgreift, zeigte, welche musikalischen Qualitäten in den Kapellen stecken. Mit der Polka „Mitten im Glück“ des aus Hohenroth stammenden Komponisten Frank Ehret, die nach einer festlich getragenen Einleitung Lebensfreude und eine positive Stimmung auch bei den Zuhörern wecken konnte, wurde die Geschichte des Glücks musikalisch erzählt.

Ihre musikalische Klasse auf der Klarinette zeigten als Solistinnen Johanna Seith, Claudia Geyer, Hannah Back und Theresa Kiesel bei „Latin woods“, das die Klarinetten von ihrer besten Seite präsentierte. Typisch kubanisch/kolumbianische Rhythmen, Elemente der Tanzmusik und der Stil von Salsa-Musik begeisterten das Publikum. Majestätisch und groß begann das Werk „Inferno“, das an eine Brandkatastrophe erinnert. Musikalisch hörte man förmlich die prachtvolle Natur, eindrucksvoll wurde der großen Brand vertont. Im Mittelpunkt des Stückes und auch zum Schluss lässt die Musik die Hoffnung auf eine baldige Wiederherstellung des wundervollen Naturschutzgebietes gefühlvoll in den Saal klingen.
Mit dem „Astronautenmarsch“, von Dieter Jablonski humorvoll im Raumfahrerlook angekündigt, riss Birgit Döhler, die ihre Musiker auf den Punkt top vorbereitet hatte, noch mal die Zuhörer regelrecht von den Sitzen. Unter Leitung einer engagierten Dirigentin, der es perfekt gelang, ihre Freude und ihren Spaß an der Musik auf ihre mehr als 40 Musiker zu übertragen, zeigten die Aktiven sehr überzeugend, dass sie sowohl das Piano peruanischer Rhythmen als auch das Forte des bekannten Astronautenmarsches hervorragend beherrschten.
Konzerthöhepunkt
Höhepunkt des Konzertes war für viele Besucher sicherlich das gemeinschaftliche Erklingen von über 70 Instrumenten beim Marsch-Walzer „Castaldo Nuevo“ unter Leitung von Birgit Döhler und der abschließenden Polka „Wir Musikanten“, dirigiert von Hubert Ziegler, bei der das Trio von den Musikern aus ganzem Herzen gesungen wurde.

Mit einem selbst verfassten Gedicht überraschte Hubert Heinickel von den Lauertalern. In Reimform freute sich Heinickel über die „Spielgemeinschaft in Blech und Holz“, die quantitativ für die Zukunft sehr gut aufgestellt ist und auch schwere Musikstücke auf gewohnt hohem Niveau präsentieren könne.“